Sepp Puchinger Promenade, 3500 Krems/Stein

Auf großer Wanderfahrt im Flusstal des Portweines

Das Douro-Tal, ein malerischer Landstrich im Norden Portugals und zugleich auf Grund seiner landschaftlichen Schönheit UNESCO-Weltkulturerbe, war Ziel der heurigen Wanderfahrt des Österreichischen Ruderverbandes, die in der Woche nach Pfingsten stattgefunden hat. Andrea Ranner, frisch gebackene Verantwortliche für Wanderfahrten, hat in Kooperation mit einem portugiesischen Ruderclub (Ginásio Clube Figueirense) ein tolles 5-tägiges Programm für insgesamt 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer zusammengestellt.
Drei Highlights sind vorab zu erwähnen: Die schroffen Weinhänge führten bis ans Ufer des mäandernden Flusses und ließen die Region förmlich ins Boot fließen, dann die umsorgende Rund-um-Betreuung durch das portugiesische Team und nicht zuletzt das bunte Rahmenprogramm von Schifffahrt im Stadtzentrum von Porto bis hin zur exklusiven Weinverkostung des weltberühmten Portweins.
Seitens des Steiner Ruder Clubs war Wanderfahrt-Novizin Brigitta Josef sowie Georg Mantler mit an Bord. Für beide ein tolles Erlebnis, das sie sich selbst im Traum nicht so traumhaft schön vorgestellt hätten.

Die 240.000-Einwohner-Stadt Porto im Norden Portugals liegt an der Mündung des Douros und besticht durch ihre Lage auf mehreren Hügeln. Enge, gewundene Gassen mit dichter Häuserbebauung bilden ausgehend vom Ufer die terrassenartige Struktur der Altstadt Ribeira, die seit 1996 als Weltkulturerbe der UNESCO eingetragen ist. Durch den regen Handel in den Geschäften wirkt die hügelige Altstadt sehr belebt. Bereits am Anreisetag, dem Pfingstsonntag, wurde die Stadt auf einer gemeinsamen Fahrt im sogenannten Rabelo-Boot erkundet. Boote dieses Typs wurden früher zum Transport von Weinfässern verwendet, heute konnten wir als Touristen durch die beeindruckenden Brücken der Stadt – zu erwähnen sei im Speziellen die „Ponte Dom Luís I“, ein Meisterwerk der Ingenieurskunst – hindurch schippern. Die Laune war von Anfang an gut, einige kannten sich schon untereinander, andere schlossen schnell Freundschaft und beim anschließenden gemeinsamen Abendessen konnte schon über die Rudergeschichte eines jeden gemütlich geplaudert werden. 20 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, international von Schweden bis Österreich, von den USA bis Deutschland, vom rüstigen 80-Jährigen bis zum 28-jährigen „Küken“, vom erprobten Wanderruderer bis zur motivierten Newcomerin, vom talentierten Steuermann bis zur umsichtigen Bugfrau war alles vertreten.

Knapp drei Stunden dauerte am kommenden Tag die Fahrt per Bahn von Porto-Campanhã 125 km flussaufwärts bis Pinhão. Die Fahrt war schon ein Erlebnis für sich, schlängelt sich doch die Bahntrasse entlang des Flusses und gibt phantasievolle Ausblicke auf das Flusstal, das abwechselnd den Horizont auf enge Schluchten, weitläufige Stauseen und großzügige Weinhänge frei gibt. Die Strecke führt fast immer parallel zum Fluss, ganz anders als die Straße – es gibt nämlich kaum ein Stück, wo das Flussufer durch deine Straße abgeschnitten wäre. Autos sind ins Hinterland verbannt. Das Douro-Tal ist landschaftlich vergleichbar mit der Mosel in Deutschland oder dem UNESCO-Weltkulturerbe Wachau an der österreichischen Donau – in allen drei Regionen prägt der Weinbau die Szenerie maßgeblich.

Am entzückenden Bahnhof von Pinhão wurde die Gruppe durch das portugiesische Ruder-Team empfangen und zu den Booten begleitet. Die Vierercrew sorgte sich von Anfang an beherzt um das Wohl ihrer Gäste, der Service war hervorragend, fast schon zu viel, wenn sogar die Boote für die Ruderer gewassert wurden :-). Und dann begann auch schon das Rudern: Etappe eins führte 24 km bis nach Régua, wo genächtigt wurde, an den folgenden drei Tagen wurden Strecken von 25 km, 41 km und geplanten 28 km (die dann witterungsbedingt nach 12 km abgebrochen wurde) zurückgelegt. Genächtigt wurde stets in ausgezeichneten Hotels, praktischerweise in unmittelbarer Nähe zum jeweiligen Ein- und Ausstiegsplatz. Highlights am Weg waren unter anderem die beiden Schleusen, jene in Carrapatelo war mit 35 Metern Höhe sogar die zweithöchste Schleuse in Europa – beeindruckend waren die imposanten Tore, die die Ruderboote wie kleine Pünktchen aussehen ließen. Unter den zur Verfügung gestellten vier gesteuerten C-Vierer waren manche Boote moderner, manche mit ihren Eigenheiten – Spaß machte das Rudern aber auf jeden Fall und der „österreichische Flottenverband“ sah richtig toll am portugiesischen Fluss aus. Pro Boot hatte je ein „Captain“ das Kommando und auch „Waldi“, er war als Begleitschutz im Motorschlauchboot stets in der Nähe des Bootskonvois, sorgt für die Sicherheit während der Fahrt, machte aber auch ordentlich Wellen, was ihm den Beinamen „the Wavemaker“ bescherte. Die Bootsbesetzung wurde Tag für Tag neu zusammengestellt, so wurde es nie langweilig und jeder konnte zwischen Bug-, Schlag- und Steuerplatz sowie dem „Maschinenraum“ in der Bootsmitte wechseln.

Für Brigitta war die Douro-Fahrt die erste Erfahrung als Wanderruderin. Auch ihre Aufgaben als Schlag- und Steuerfrau konnte sie mit Bravour meistern. Für Georg war die Tour eine angenehme Abwechslung zu den Einheiten im Rennboot auf der Donau, wenngleich er stets den Schlagmann machte und so den durchaus zügigen Takt vorgab, wodurch sich der eine oder andere Badestopp zwecks Erholung mehr ausgegangen ist. Mittags rastete die Gruppe an idyllischen Plätzchen in Buchten, wo ein buntes Picknick durch das Team auftischt wurde. Eigentlich waren es ja keine einfachen Picknicks, sondern sogar feine Lunches mit sommerlichen Salaten, frischem Obst, Henderl und Fisch sowie Variationen von Nudelsalat.

Und auch das zusammengestellte Rahmenprogramm machte einiges her: Ein Festschmaus in einem Weinkeller mit Aperitif am Fuße einer uralten Baumallee, der Besuch beim weltberühmten Portwein-Hersteller Sandeman und ein ausgedehnter Spaziergang durch den Ort Caldas de Aregos bleiben bestimmt in guter Erinnerung.

Großer Dank gilt Andrea Ranner, die wie eine „Klassenmama“ stets den Überblick behalten hat und gemeinsam mit ihrem Mann Rüdiger als eingespieltes Team von A wie Anreise bis Z wie Zimmereinteilung alles perfekt organisiert hat. Die ÖRV-Wanderfahrt war eine liebevoll zusammengestellte und äußerst professionell abgewickelte Reise, die nach Wiederholung ruft!

 

Fotos von den Teilnehmerinnen und Teilnehmern zu Verfügung gestellt.